#001 Kampfsport, mein Leben

Ich möchte Euch eine Geschichte erzählen, eine wahre Geschichte, die sich in den Neunziger Jahre zugetragen hat.

Hierbei geht es um Motivation, um inneren Antrieb!
Es geht darum, wie jemand einen Weg einschlägt, ein Ziel zu verfolgen.
Ein unendlich weit entferntes Ziel.  So weit, dass es schier unmöglich zu sein scheint dieses jemals zu erreichen oder gar in die Nähe dieses Ziels zu gelangen.

Diese Geschichte soll aufzeigen, dass nichts unmöglich ist. No Limit!



Der Weg zur WM

Inspiriert durch unzählige Kampfsportfilme und nicht zuletzt durch Bruce Lee, wuchs in einem Jungen die Faszination für diesen Sport. So war er zu dieser Zeit gern gesehener Gast in diversen Videotheken, um sich Kampfsport Filme auszuleihen.

Das Interesse wuchs von Film zu Film, auch befasste er sich damals schon mit verschiedenen Hauptdarsteller, um mehr über sie, ihr Leben und ihr Training zu erfahren.
Nachts träumte er von Kampfsport und Tags schossen ihm Gedanken durch den Kopf, dass er dies selbst erlernen möchte.
Aber er, ein unsportlicher Junge dessen Sportlehrer bei einem
100 Meter Lauf fast einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte, da er bereits nach 75 m, auf „Leerlauf“ geschaltet hatte um als letzter weit abgeschlagen ins Ziel zu „rollen“. Dieser Junge möchte Kampfsportler werden?

Dann eines Tages sah er eine Kampfsport Vorführung eines Kung-Fu Vereines. Bis dahin, war es eine kleine, eher unscheinbare Gruppe, die sich zweimal pro Woche trafen, um Kung-Fu, traditionelles Shaolin Kung-Fu zu trainieren. Die Show war spektakulär und atemberaubend zugleich.

Und so sollte es nicht allzu lange dauern bis er sich entschloss, den ersten Kontakt herzustellen.
Seine erste Trainingseinheit fand am 12. Mai 1989 statt. Noch während seines ersten Trainings fasste er den Entschluss, dass er es bis zu einer Weltmeisterschaft bringen wird.
Dass er bis zu diesem Zeitpunkt unsportlich war, hat er des Öfteren bereits bewiesen, aber dass er auch scheinbar verrückt sei, das war neu.

So begab er sich auf die Reise mit klar definiertem Ziel in Richtung „WM“.
Die ersten 6 Monate waren hart, sehr hart, denn das Training setzte sich fast ausschließlich mit dem „laufen“ von tiefen Grundstellungen zusammen. Diese wurden Meter für Meter die Trainingshalle auf und ab trainiert. Hunderte wenn nicht tausende male. Nicht umsonst wird Kung-Fu ins deutsche mit „harte Arbeit“ übersetzt.

Anfangs zitterten die Beine bereits nach wenigen Metern, doch Monat für Monat wurde seine Muskulatur stärker. So verging das erste Jahr indem der einst unsportliche Junge bereits sichtliche Veränderungen an seinem Körper erkennen konnte.
So war er konditionell sehr viel besser aufgestellt als früher, sogar einzelne Muskelgruppen zeichneten sich bereits an seinem Körper ab.

Während eines Trainingskampfes traf ihn ein Gegner mit einem Fußtritt in den Bauch, was zur Folge hatte, dass er Mitglied in einem benachbarten Sportstudio wurde. Hier konnte er seine Muskulatur, insbesondere die Bauchmuskulatur stärken.  So entstand seine große Liebe am Training mit den Eisen, also mit Gewichten.

Nachdem er weiterhin hart an sich gearbeitet hatte, bekam er die Möglichkeit an einem Kampfsport-Turnier teilzunehmen. So konnte er sich mit anderen messen, um Erfahrungen innerhalb der „großen Kampfsportfamilie“ zu sammeln. Bei diesen Turnieren traten Kampfsportler bzw. Kampfkünstler aus verschieden Sportarten wie Kung-Fu, Kickboxen, Karate und Taekwondo gegeneinander an, um Ihre Fähigkeiten zu messen.

Die Sportler waren in verschiedenen Gewichtsklassen eingeteilt und konnten sich im Semikontakt messen. Semikontakt bedeutet, Treffer mit Kontakt des Gegners, jedoch in kontrollier Form, ohne den Gegner KO zu schlagen. Die Trefferfläche war oberhalb der Gürtellinie, Treffer waren mit den Fäusten und mit Füssen erlaubt. Boxhandschuhe und spezielle Fußschützer mussten getragen werden. Ein Mundschutz war ebenfalls Pflicht.

Kaum zu glauben, dass sich daraus Freundschaften entwickelten. Im Ring waren Sie Gegner, nach dem Fight bzw. außerhalb des Ringes fast schon „Freunde“. Denn die Kampfsportler trafen sich über Monate immer wieder auf unzähligen Wettbewerben innerhalb Deutschlands, Österreich und der Schweiz.

Zwangsläufig musste dann das Trainingspensum vor einer bevorstehenden Deutschen Meisterschaft deutlich erhöht werden. Umso ärgerlicher war es, dass er sich beim Abschlusstraining eine Muskelzerrung zuzog. So war die „DM“ für ihn gelaufen, bevor sie anfing.

Nachdem die Verletzung auskuriert war, wurde das Training wieder aufgenommen. Ein paar zusätzliche Trainingseinheiten holten das verpasste nach. Dann bekam er die Gelegenheit an einer Europameisterschaft teilzunehmen.
Auch diese Hürde meisterte er sehr gut, kam jedoch nicht am späteren Gewinner vorbei und erreichte somit nicht einmal die Top Ten.
Im darauffolgenden Jahr setzte sich der „Fluch“ mit der Deutschen Meisterschaft fort. Wieder eine Verletzung, die eine Teilnahme unmöglich machte.

Um an einer weiteren Europameisterschaft teilzunehmen, machten sich die Sportler 1992 auf den Weg nach Olten in die Schweiz. Die Kampfkünstler standen nach Kampsportschulen und Teilnehmenden Nationen geordnet auf der Turnierfläche. Während der Eröffnungsfeier wurden die Anwesenden darüber informiert, dass bereits die Genehmigung zur Austragung einer Weltmeisterschaft im darauffolgenden Jahr in Olten vorlag.

Sein Ziel war auf einmal in greifbarer Nähe. Gänsehautfeeling während der Deutschen Nationalhymne. Und noch während der Eröffnungsfeier war ihm klar, dass sein Trainingspensum von mittlerweile 5 Trainingseinheiten pro Woche erhöht werden musste. Aber zuerst standen die Kämpfe um die EM an, denn auch hier wollten alle Teilnehmer bestmöglich abschließen. Hochmotiviert fightete er sich von Kampf zu Kampf, um erstmalig die Top Ten bei einer EM zu erreichen.

Im darauffolgenden Jahr befasste er sich neben den für Ihn bereits normal gewordenen 5 Trainingseinheiten am Abend mit dem Training der mentalen Stärke. Meditation und Stretching standen von nun an morgens von 5:00 bis 6:00 Uhr auf dem Trainingsplan.

Am 24. April 1993 wurde der Traum nach fast 4 Jahren „harter Arbeit“ wahr.

Selbst heute nach fast 30 Jahren bekommt er immer noch Gänsehaut, wenn er an diese „verrückte“ Zeit denkt. Wenn er an die WM-Eröffnungsfeier, die Nationalhymnen und an die eigentlichen Wettkämpfe denkt.

Es waren Jahre voller Entbehrung und voller Aufopferung für sein Ziel.
Eine Zeit, die ihm viel abverlangte. So lag er oft am Boden, stand jedoch immer wieder auf. Nichts konnte Ihn von „seinem“ Ziel der WM-Teilnahme abbringen und so wurde es für ihn Wirklichkeit.

Bis heute vergeht kein Tag, an dem er nicht Dankbar ist für diese Zeit. Dankbar dafür, wie er sich, wie sich sein Körper veränderte, und sich sein Geist weiterentwickeln durfte.
Hätte er einen anderen Weg eingeschlagen, wäre er heute nicht der, der er jetzt ist.





Was wollte ich mit dieser, meiner Geschichte zum Ausdruck bringen?

Glaube an dich selbst.
Glaube an deine Fähigkeiten.
Setze Dir ein Ziel und verfolge dieses.
Gewiss wird es auch Umwege geben,
aber verliere niemals dein Ziel aus den Augen.

Ich bin all meinen Trainer, all meinen Coaches dankbar, mir alles abverlangt zu haben.
Ohne Euch wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen.
Dankbar bin ich ebenfalls, dass ich einige Kampfsportlegenden und Größen kennenlernen durfte.

Danke.

My dream became true!